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Schadstoffe beim Hauskauf: Welche Untersuchungen sind sinnvoll?

Eine gute Immobiliendiagnose beginnt nicht mit möglichst vielen Messungen, sondern mit der fachlichen Einordnung von Baugeschichte, Materialien und vorhandenen Auffälligkeiten.


Der Kauf einer Immobilie ist für die meisten Menschen eine weitreichende Entscheidung. Neben Lage, Preis und baulichem Zustand stellt sich zunehmend auch die Frage, ob das Haus oder die Wohnung ein gesundes und langfristig passendes Lebensumfeld bieten kann.

Eine gute Immobiliendiagnose beginnt dabei nicht mit möglichst vielen Messungen. Sie beginnt mit der fachlichen Einordnung des Gebäudes, seiner Baugeschichte, vorhandener Auffälligkeiten und der geplanten Nutzung. Erst daraus lässt sich ableiten, welche Untersuchungen tatsächlich sinnvoll sind.


Sicherheit entsteht durch Klarheit

Manchmal fallen bereits bei der ersten Besichtigung ungewöhnliche Gerüche, Verfärbungen, ältere Bodenbeläge oder nicht eindeutig zuzuordnende Materialien auf.

Vielleicht wird die Immobilie als „umfassend saniert“ angeboten, ohne dass nachvollziehbar dokumentiert ist, welche Bauteile tatsächlich erneuert wurden. In anderen Fällen gibt es keine offensichtlichen Hinweise und trotzdem das Gefühl, noch nicht alle wichtigen Informationen zu haben.

Das Ziel einer baubiologischen Immobiliendiagnose besteht nicht darin, jedes theoretisch denkbare Risiko auszuschließen. Das wäre im Rahmen einer orientierenden Untersuchung in der Regel weder möglich noch verhältnismäßig.

Es geht vielmehr darum, Auffälligkeiten fachlich einzuordnen, mögliche Belastungsquellen zu erkennen und daraus eine sinnvolle Untersuchungsstrategie abzuleiten.

Eine gute Untersuchung kann Risiken sichtbar machen. Sie kann aber ebenso dazu beitragen, unbegründete Befürchtungen zu relativieren und unnötige Analysen oder Sanierungen zu vermeiden.


Die Baugeschichte liefert erste Hinweise

Jedes Gebäude erzählt durch seine Bauweise, seine Materialien und seine Veränderungen eine eigene Geschichte.

Für eine erste Einschätzung sind deshalb Informationen zum Baujahr, zur Konstruktion, zu früheren Nutzungen und zu bekannten Umbauten besonders hilfreich. Auch Bauunterlagen, Rechnungen oder alte Fotos können wichtige Hinweise liefern.

Je nach Baualter und Ausführung kommen unterschiedliche Baustoffe und mögliche Belastungsquellen in Betracht.

In älteren Gebäuden können dies beispielsweise Klebstoffe, Spachtelmassen, Bodenbeläge, Dämmstoffe, Holzschutzmittel oder mineralische Schüttungen sein. Je nach Material können unter anderem polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Asbest, Schwermetalle oder andere Schadstoffe eine Rolle spielen.

In älteren Fertighäusern können abhängig von Hersteller, Bauzeit und noch vorhandenen Originalmaterialien beispielsweise Formaldehyd, Holzschutzmittel oder geruchsaktive Chloranisole relevant sein.

Auch neuere Gebäude sind nicht grundsätzlich frei von gesundheitlich bedeutsamen Themen. Hier können Materialemissionen, Lösemittel, Gerüche aus neuen Baustoffen oder eine noch vorhandene Baufeuchte zu berücksichtigen sein.

Welche dieser Aspekte für das konkrete Gebäude tatsächlich relevant sind, lässt sich jedoch nicht allein aus dem Baujahr ableiten. Es handelt sich zunächst um mögliche Hinweise, die mit der vorhandenen Bausubstanz und der geplanten Nutzung abgeglichen werden müssen.


„Saniert“ sagt wenig über verdeckte Materialien aus

In Immobilienanzeigen wird häufig mit Begriffen wie „saniert“, „modernisiert“ oder „komplett renoviert“ geworben.

Diese Angaben sagen zunächst wenig darüber aus, welche Bauteile tatsächlich bearbeitet wurden. Eine Sanierung kann Fenster, Heizung und Elektroinstallation betreffen. Sie kann sich aber ebenso auf neue Wandoberflächen und Bodenbeläge beschränken.

Ältere Materialien können vollständig entfernt, teilweise überarbeitet oder lediglich überdeckt worden sein.


Für die Bewertung ist deshalb entscheidend, was genau ausgeführt wurde:


  • Welche Materialien wurden ausgebaut?

  • Welche Bauteilschichten sind noch vorhanden?

  • Wurden frühere Schäden dokumentiert?

  • Gibt es Nachweise über verwendete Produkte?


Eine frisch renovierte Oberfläche verbessert den optischen Eindruck. Sie erlaubt jedoch nicht automatisch eine Aussage über darunterliegende Materialien oder verdeckte Bauteile.


Gerüche sind Hinweise, aber noch kein Befund

Gerüche spielen bei der Beurteilung von Innenräumen häufig eine wichtige Rolle.

Ein muffiger oder kellerartiger Geruch kann mit Feuchtigkeit oder mikrobiellen Belastungen zusammenhängen. Er kann aber auch aus älteren Bauteilen mit Holzschutzmitteln, Schüttungen, Schächten oder angrenzenden Gebäudebereichen stammen.

Chemische, teerartige oder anderweitig auffällige Gerüche können ebenfalls unterschiedliche Ursachen haben.

Aus einem Geruch allein lässt sich jedoch weder ein bestimmter Schadstoff noch eine gesundheitlich relevante Konzentration sicher ableiten.

Die Geruchswahrnehmung ist ein Hinweis, aber noch kein Befund.

Für eine fachliche Einordnung sollte betrachtet werden, wo der Geruch am stärksten wahrnehmbar ist, wann er auftritt, ob er sich durch Temperatur oder Lüftung verändert und welche Materialien sich in diesem Bereich befinden.

Erst aus dem Zusammenspiel dieser Informationen lässt sich entscheiden, ob beispielsweise eine Materialprobe, eine Raumluftuntersuchung, eine Feuchtemessung oder eine weitergehende Bauteilerkundung sinnvoll erscheint.


Nicht jede Auffälligkeit braucht dieselbe Untersuchung

Eine Raumluftmessung beantwortet andere Fragen als eine Materialanalyse.

Eine Hausstaubuntersuchung kann Hinweise auf bestimmte im Gebäude vorhandene Stoffe liefern, erlaubt aber nicht immer eine eindeutige Zuordnung zur Quelle.

Eine Materialprobe kann dagegen Aufschluss über einen konkreten Baustoff geben. Sie beschreibt jedoch nicht automatisch die Belastung der Raumluft.

Auch bei der Untersuchung auf Schimmelpilze ist die Fragestellung entscheidend. Eine orientierende Sichtkontrolle, eine Feuchtemessung, eine Materialprobe und eine Raumluftuntersuchung liefern jeweils unterschiedliche Informationen.

Die Auswahl der Methode sollte sich deshalb nicht danach richten, möglichst viele Parameter untersuchen zu lassen.

Entscheidend ist, welche Frage beantwortet werden soll.


Vor der Festlegung einer Untersuchungsstrategie sind insbesondere folgende Punkte relevant:


  • Welche Auffälligkeit wurde beobachtet?

  • Welche Materialien oder Bauteile kommen als Ursache in Betracht?

  • Welche Räume sollen künftig wie genutzt werden?

  • Sind Renovierungs- oder Rückbauarbeiten geplant?

  • Welche Untersuchungsergebnisse würden die Kaufentscheidung beeinflussen?


Gerade darin liegt ein wesentlicher Teil der fachlichen Arbeit: nicht möglichst viel zu untersuchen, sondern die richtigen Fragen zu stellen.


Die Begehung verbindet Unterlagen und tatsächlichen Zustand

Eine orientierende Begehung vor dem Kauf kann helfen, vorhandene Unterlagen und Aussagen mit dem tatsächlichen Zustand des Gebäudes abzugleichen.

Dabei können sichtbare Materialoberflächen, auffällige Boden- und Wandaufbauten, Gerüche, Feuchteanzeichen, frühere Umbauten und mögliche Schadstoffquellen betrachtet werden.

Auch Keller, Dachbereiche und Nebenräume können wichtige Hinweise liefern.

Eine solche Begehung ersetzt keine umfassende technische Gebäudeprüfung und keine gezielte Laboranalytik. Sie kann jedoch dazu beitragen, Untersuchungsschwerpunkte festzulegen und unnötige Analysen zu vermeiden.

Gleichzeitig werden die Grenzen der Untersuchung sichtbar. Verdeckte Bauteile, nicht zugängliche Hohlräume oder überbaute Materialien können ohne weitergehende Öffnungen nicht abschließend beurteilt werden.

Eine fachlich verantwortungsvolle Einschätzung unterscheidet deshalb klar zwischen dem, was festgestellt wurde, möglichen Ursachen und dem, was anhand der vorliegenden Untersuchung offenbleibt.


Messergebnisse brauchen eine Einordnung

Laborberichte enthalten Zahlen, Stoffbezeichnungen und Vergleichswerte.

Für Kaufinteressenten ist daraus jedoch nicht immer unmittelbar erkennbar, welche Bedeutung die Ergebnisse für das Gebäude und die geplante Nutzung haben.

Ein Messergebnis sollte deshalb nie isoliert betrachtet werden.

Für die Bewertung sind unter anderem die Probenahmebedingungen, die untersuchten Räume, mögliche Quellen und die geplanten Veränderungen relevant.

Ebenso ist zu unterscheiden, ob es sich um einen gesetzlichen Grenzwert, eine behördliche Empfehlung, einen technischen Richtwert oder eine vorsorgeorientierte baubiologische Bewertung handelt.

Aus der fachlichen Einordnung sollte hervorgehen, was nachgewiesen wurde, wie das Ergebnis zu bewerten ist und welcher Handlungsbedarf besteht.


Diese Unterscheidung hilft, Risiken weder zu verharmlosen noch unnötig zu dramatisieren.


Eine Auffälligkeit bedeutet nicht automatisch den Verzicht auf den Kauf

Der Nachweis eines problematischen Materials oder einer auffälligen Raumluftkonzentration bedeutet nicht automatisch, dass eine Immobilie grundsätzlich ungeeignet ist.

Entscheidend sind Art, Umfang, Zugänglichkeit und Nutzung der betroffenen Bereiche. Ebenso relevant ist, ob Materialien intakt eingebaut sind oder durch geplante Arbeiten bearbeitet und freigesetzt werden könnten.

Manche Belastungen lassen sich durch gezielte Maßnahmen reduzieren. Andere erfordern eine fachgerechte Sanierung.

Die Entscheidung über den Kauf verbleibt immer bei den Interessenten. Aufgabe der Immobiliendiagnose ist es, die fachlichen Grundlagen dafür so nachvollziehbar wie möglich aufzubereiten.


Der Mensch gehört zur Betrachtung dazu

Ein Gebäude wird nicht losgelöst von seinen Bewohnern genutzt.

Eine Familie mit kleinen Kindern stellt andere Anforderungen an Materialien und Nutzung als ein alleinlebender Erwachsener. Menschen mit Atemwegserkrankungen, Allergien oder ausgeprägter Geruchssensibilität können bestimmte Belastungen früher oder stärker wahrnehmen.

Auch Licht, Raumaufteilung, Akustik und Rückzugsmöglichkeiten beeinflussen, wie unterstützend ein Gebäude im Alltag erlebt wird.

Diese Aspekte sind von der messtechnischen Schadstoff- oder Schimmeluntersuchung zu unterscheiden. Für die langfristige Wohnqualität können sie dennoch eine wesentliche Rolle spielen.

Die Baubiologie bildet für mich dabei die fachlich geerdete Grundlage. Ergänzend können auf Wunsch gestalterische, raumpsychologische, Feng-Shui- oder geomantische Betrachtungen einbezogen werden.

Raumenergetische Einschätzungen stellen eine ergänzende, erfahrungsbezogene Ebene dar. Sie ersetzen keine baubiologische Untersuchung und keinen baulichen oder gesundheitlichen Befund, können aber maßgeblich zum persönlichen Wohlbefinden beitragen.


Vom diffusen Eindruck zur begründeten Entscheidung

Für Kaufinteressenten ist oft schwer einzuschätzen, welche Schadstoffe in einem Haus oder einer Wohnung vorhanden sein könnten. Manchmal bleibt nur das Gefühl: „Irgendetwas stimmt hier nicht.“ Vielleicht fällt auch ein ungewöhnlicher Geruch auf.

Hinzu kommt der Vorsorgegedanke. Schließlich möchte man die eigene Familie keinen gesundheitsschädlichen Stoffen aussetzen und vor dem Kauf wissen, ob zusätzliche Kosten für Untersuchungen oder Sanierungsmaßnahmen eingeplant werden müssen.


Die Aufgabe einer Immobiliendiagnose besteht darin, aus diesem diffusen Eindruck eine strukturierte Fragestellung zu entwickeln.


Was ist bekannt? Was wurde beobachtet? Welche Ursachen sind möglich? Welche Untersuchung wäre als nächster Schritt sinnvoll? Und welche Fragen bleiben auch danach offen?

Eine gute Immobiliendiagnose beantwortet nicht pauschal, ob ein Haus „gesund“ oder „ungesund“ ist.

Sie zeigt, welche Auffälligkeiten für die konkrete Kaufentscheidung relevant sind, was genauer untersucht werden sollte und wo sich Befürchtungen fachlich relativieren lassen.


Ein tragfähiger Raum beginnt nicht erst mit Farben, Möbeln und Gestaltung.

Er beginnt mit dem Wissen, worauf wir bauen.


Foto: Wix
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