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Holzfenster ohne chemischen Holzschutz – Wie geht das?

Für viele erscheint es überraschend, doch es gibt durchaus Fälle, in denen man gänzlich auf chemischen Holzschutz verzichten kann, wenn bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt sind. Dieser Ansatz wird durch die „Holzschutzmatrix“ des Bundesverbands ProHolzfenster e.V. dargestellt und in einer aktuellen Veröffentlichung im Baubiologie-Magazin erläutert.

Der zentrale Ansatz besteht darin, die Feuchtebelastung durch geeignete Materialwahl und konstruktive Maßnahmen so weit zu minimieren und die Oberflächen ggf. mit passenden, biozidfreien Beschichtungen zu schützen, dass ein zusätzlicher chemischer Holzschutz nach geltenden Normen nicht erforderlich ist.


Kernstrategien und Kriterien


1. Holzwahl und natürliche Dauerhaftigkeit

  • Zu bevorzugen sind Hölzer mit hoher natürlicher Resistenz gegen Pilzbefall und Bewitterung (z. B. Eiche, Lärche, hartes Kernholz).

  • Zu vermeiden sind Splintholz­anteile, denn je geringer der Splintanteil, desto geringer das Risiko von Schädlingen.

  • Kombinationen sind möglich: Außen ein besonders widerstandsfähiger Holzbestandteil, innen ein weniger widerstandsfähiges, günstigeres Holz.

2. Konstruktiver Holzschutz

  • Vorzusehen sind Ablaufschrägen und abgerundete Kanten. Kapillarfugen oder Fehlstellen, in denen Wasser stehen bleiben kann, sollten vermieden werden.

  • Holz-Aluminium-Fenster werden als interessante Variante genannt, da das Holz durch eine Aluminiumschale vor direkter Witterung geschützt wird.

  • Eine wettergeschützte äußere Einbaulage, ausreichende Dachüberstände oder zurückgesetzte Fensterflächen helfen, Belastungen durch Bewitterung zu reduzieren.

3. Baulicher Holzschutz und Montage

  • Bereits in der Planungsphase muss geprüft werden, wie das Fenster vor Baustellenfeuchte geschützt wird.

  • Während der Nutzungsphase sind Einbaulage, Überstände und Abdichtungsdetails maßgeblich, um dauerhaft Feuchteeinträge zu minimieren.

  • Je nach Beanspruchung (z. B. stark bewitterte Himmelsrichtungen, Gebäudehöhe) gilt: Je höher die Beanspruchung, desto geringer der Spielraum für den Verzicht auf chemische Holzschutzmittel. Die Holzschutzmatrix vom Bundesverband ProHolzfenster e.V. differenziert nach Beanspruchungsgrad und Schutzniveau.

4. Biozidfreie Oberflächen / Oberflächenschutz

  • Wenn aufgrund der Gegebenheiten eine Schutzbeschichtung sinnvoll ist, um Einflüsse durch UV-Strahlung, Bewitterung und Feuchte zu begrenzen, dann sollten diese biozidfrei ausgeführt werden. Dazu kommen hydrophobierende Grundierungen, Lasuren und Lacke ohne Fungizide/Insektizide in Frage.

  • Die regelmäßige Kontrolle der Beschichtung (Beschichtungscheck) ist essenziell. Risse, Ablösungen oder Fehlstellen sollten früh erkannt und behoben werden. Auch zum Beschichtungscheck hat der Bundesverband ProHolzfenster e.V. ein unterstützendes Infoblatt herausgebracht.


Der Verzicht auf chemischen Holzschutz bei Holzfenstern ist kein Idealfall, sondern in vielen praxisrelevanten Situationen möglich, wenn sorgfältig geplant, hochwertige Materialien gewählt und konsequent gepflegt wird. Leider verzichten viele Fensterhersteller nur dann auf chemischen Holzschutz, wenn Bauherr:innen ausdrücklich eine biozidfreie Ausführung wünschen und dies schriftlich bestätigen, da sie andernfalls Gewährleistungs- oder Normrisiken fürchten.

Der Vorteil: Nicht biozidbelastete Fenster lassen sich stofflich weiterverwerten, sie sind kreislauffähiger als herkömmlich behandelte Holzschutzprodukte. Zudem werden Gesundheitsrisiken durch Biozide minimiert.


ree

Foto: unsplash Mohammad Dadkhah


 
 
 

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