top of page

Schimmelsanierung abgeschlossen? Woran Sanierungskontrollen am häufigsten scheitern

Nach einer Schimmelsanierung herrscht bei vielen Bauherren und Nutzern große Erleichterung: Der sichtbare Befall ist weg, der Geruch zunächst auch. Damit gilt die Sanierung für viele als „erfolgreich abgeschlossen“.

Aus sachverständiger und baubiologischer Sicht beginnt genau hier jedoch der kritischste Teil. Denn ob das Sanierungsziel tatsächlich erreicht wurde, lässt sich nicht allein mit dem Auge beurteilen.

Das WTA-Merkblatt 4-12 „Ziele und Kontrolle von Schimmelpilzschadensanierungen in Innenräumen“ beschreibt verbindlich, wie Sanierungsziele festzulegen und wie sie fachgerecht zu kontrollieren sind. Es bildet heute den anerkannten Stand der Technik für die Abnahme von Schimmelsanierungen.


Und meine Erfahrung aus vielen Sanierungskontrollen ist eindeutig:

Die allermeisten Sanierungen scheitern nicht am Rückbau – sondern an der Feinreinigung.

Die Feinreinigung ist das A und O

Der umgangssprachlich oft als „Freimessung“ bezeichneten Sanierungskontrolle geht immer eine vollständige Feinreinigung des gesamten Sanierungsbereichs voraus, nachdem alle schimmelbefallenen Baustoffe entfernt wurden.

Genau hier liegt in der Praxis der größte Schwachpunkt. Schimmelsporen und mikrobielle Fragmente verbreiten sich über die Raumluft und lagern sich auf allen Oberflächen ab: auf Böden, Fensterbänken, Möbeln, Wänden, Leuchten, in Regalen und Nischen.

Wird hier nicht konsequent und systematisch gereinigt, bleibt eine relevante Restkontamination im Raum, auch wenn der sichtbare Befall längst weg ist.


Visuelle Kontrolle: Der erste Filter

Die Sanierungskontrolle beginnt mit einer Objektbegehung, frühestens 12 Stunden nach Beendigung der Arbeiten und nach dem Abstellen aller luftbewegenden Geräte.

Dabei prüfe ich u. a.:

  • Wurde wirklich fein gereinigt oder nur „optisch sauber“ gearbeitet?

  • Liegt noch Staub auf horizontalen Flächen, Leuchten oder Fensterbänken?

  • Gibt es noch geruchliche Auffälligkeiten?


Erfahrungsgemäß treten hier bereits die meisten Mängel zutage.

Und ein Befund bestätigt sich in meiner Praxis immer wieder:

Wenn die visuelle Kontrolle auffällig ist, ist es in der Regel auch die Raumluftprobe.

Wischproben: der Realitätsabgleich auf Oberflächen

Wischproben mit schwarzen und weißen Tüchern sind gut geeignet, um zu prüfen, ob Oberflächen noch verschmutzt sind. Sie zeigen sehr zuverlässig, ob die Feinreinigung gründlich genug war oder ob lediglich grob an den offensichtlichen Stellen und leicht zugänglichen Bereichen gereinigt wurde.


Raumluftmessung: der Stresstest für den Raum

Wenn die visuelle Kontrolle unauffällig ist, schließt sich die messtechnische Untersuchung an. Ziel ist der Nachweis, dass der objektspezifische „Normalzustand“ wieder erreicht wurde, also kein Schimmelbewuchs mehr vorliegt und keine über das übliche Maß hinausgehende Kontamination besteht.


Das Standardverfahren besteht aus:

  1. Mobilisierung der Oberflächen mit einem Ventilator

    Dabei werden ca. 50 % der Raumoberflächen mittels Ventilator angeblasen. So werden abgelagerte Schimmelbestandteile wieder in die Luft gebracht, genau so, wie es im Alltag durch Gehen, Lüften oder Staubsaugen geschieht.


  2. Raumluftprobenahme durch Impaktion

    Nach 10 Minuten Wartezeit wird die Raumluft mit einer Spezialpumpe auf beschichtete Objektträger beprobt. Die Auswertung dieser Partikelsammlung erfolgt durch ein geeignetes Fachlabor.


Zusätzlich werden i.d.R. durchgeführt:

  • eine ruhige Raumluftmessung vor Mobilisierung

  • eine Vergleichsmessung in der Außenluft

Diese helfen, grenzwertige Ergebnisse besser einzuordnen.


Was sich dabei fast immer zeigt

Wenn die Feinreinigung nicht wirklich gründlich war, dann:

  • steigen die Gesamtsporenzahlen nach Mobilisierung deutlich an

  • finden sich typische Feuchteschimmel-Gattungen in auffälliger Konzentration

  • zeigen sich viele Hyphenfragmente als Hinweis auf alte Quellen


Das Sanierungsziel ist nur dann erreicht, wenn

  • kein Schimmelbewuchs mehr vorhanden ist

  • keine relevante Oberflächenkontamination mehr besteht

  • die Raumluft hygienisch unauffällig ist

  • die Bauteile ausreichend trocken sind

  • und keine schadensbedingten Gerüche mehr auftreten


Mein Fazit aus baubiologischer Praxis

Die häufigste Ursache für „nicht bestandene“ Sanierungskontrollen ist nicht

zu wenig Rückbau oder schlechte Trocknung, sondern:

eine unzureichende Feinreinigung.

Warum die Sanierungskontrolle unabhängig sein muss

Das WTA-Merkblatt fordert ausdrücklich, dass die Sanierungskontrolle nicht vom Sanierungsbetrieb selbst durchgeführt werden soll, um Interessenkonflikte zu vermeiden.

Wer seine eigene Arbeit bewertet, steht immer unter wirtschaftlichem Druck, ein positives Ergebnis zu bestätigen.

Für eine fachlich belastbare Abnahme braucht es jedoch eine ergebnisoffene, unabhängige Prüfung. Genau aus diesem Grund führe ich solche Sanierungskontrollen und Messungen als unabhängige Baubiologin durch, getrennt von der ausführenden Firma.

Mit dem klaren Ziel, nicht „durchzuwinken“, sondern ehrlich zu klären, ob der Raum wirklich wieder gesund nutzbar ist oder ob noch relevante Restbelastungen vorhanden sind.


Foto: KI generiert, aus Datenschutzgründen verwende ich keine Kundenfotos

 
 
 

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page