Warum die Formaldehydbelastung in Innenräumen im Sommer steigt
- romyjaskulka
- vor 5 Tagen
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Formaldehyd gehört zu den am häufigsten auftretenden Schadstoffen in Innenräumen. In meiner Tätigkeit als Baubiologin stoße ich bei messtechnischen Untersuchungen regelmäßig auf erhöhte Konzentrationen und gerade in den Sommermonaten steigen die Werte deutlich an. Doch woran liegt das?
Die Quelle: Materialien im Wohn- und Arbeitsumfeld
Viele Baustoffe und Einrichtungsgegenstände geben über die Zeit geringe Mengen Formaldehyd an die Raumluft ab:
Holzwerkstoffe (insbesondere Spanplatten)
Möbel mit beschichteten Oberflächen (z.B. durch offene Kanten an Melaminbeschichtungen)
Teppiche, Textilien und Vorhänge ("knitter-/bügelfreie Ausrüstung")
Klebstoffe, Lacke und Farben, Schäume auf Polyurethanbasis, Versiegelungen
Mögliche Quellen sind auch Desinfektionsmittel, Reiniger, Pflegemittel oder Kosmetikartikel (z. B. Nagelhärter). Außerdem wird es bei jeder Verbrennung (Feuer, Rauchen) gebildet.
Die Abgabemenge ist nicht konstant, sondern stark abhängig von den Umgebungsbedingungen.
Temperatur und Luftfeuchtigkeit als Beschleuniger
Die entscheidenden Faktoren sind Temperatur und Luftfeuchtigkeit:
Mit steigender Temperatur erhöhen sich die Emissionen deutlich. An heißen Sommertagen steigt die Ausgasungsrate deutlich an.
Hohe Luftfeuchtigkeit kann zusätzlich dazu führen, dass Formaldehyd leichter aus Holzwerkstoffen freigesetzt wird.
So erklären sich die immer wiederkehrenden Spitzenwerte in den warmen Monaten.
Verstärkender Effekt: eingeschränktes Lüften
Hinzu kommt ein praktisches Problem: Wenn draußen 30 °C herrschen, neigen viele Menschen dazu, ihre Fenster geschlossen zu halten, um die Hitze draußen zu lassen. Dadurch sinkt der Luftaustausch und die Innenräume reichern sich mit Schadstoffen an.
Gesundheitliche Relevanz
Bereits geringe Konzentrationen können Schleimhaut-/ Augen- und Atemwegsreizungen, Kopfschmerzen oder eine erhöhte Sensibilität bei Allergikern verursachen. In hohen Konzentrationen hat Formaldehyd auch kanzerogene und erbgutschädigende Wirkung. Bei chronischer Exposition treten zusätzlich häufig Konzentrations- und Leistungsschwäche auf.
Das Umweltbundesamt empfiehlt, die Innenraumkonzentration möglichst unter 100 µg/m³ zu halten. Dieser Wert wurde schon1977 definiert und ist aus baubiologischer Sicht inzwischen überholt. Die WHO gibt als Richtwert, unterhalb dessen kein Anlass zur Besorgnis besteht, mit 60 µg/m³ an, der weniger bekannte AGÖF-Vorsorgewert liegt bei 30 µg/m³.
Was können Sie tun?
Aus baubiologischer Sicht empfehle ich folgende Maßnahmen:
Regelmäßiges, gezieltes Lüften – morgens und abends, wenn es draußen kühler ist oder dauerhaft durch nachgerüstete dezentrale Lüftungseinheiten.
Räume nicht überhitzen lassen – durch Verschattung und kontrollierte Lüftungssysteme.
Schadstoffarme Materialien wählen – z.B. Vollholz oder Leimholz anstelle von Spanplatten oder MDF.
In Innenräumen nicht rauchen – dabei entsteht Formaldehyd und reichert sich in der Raumluft an.
Messtechnische Untersuchung – wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihre Raumluft belastet ist, kann nur eine professionelle Messung Klarheit schaffen.
Wenn Sie wissen möchten, ob auch in Ihren Räumen erhöhte Werte vorliegen, sprechen Sie mich gerne an. Ich biete individuelle Messungen mit moderner Messtechnik und Beratung direkt bei Ihnen vor Ort an.

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